Klinik Cafeterien als kulinarische Reise?

familienmitgliedHarald Butz … vom Bäcker zum 2 Sterne Koch

Aktivieren, stabilisieren, neue Wege suchen und gehen, das unterstützte der Integrationsfachdienst IFD stets bei Harald Butz und Sebastian Horn. Und nun ist es wieder einmal geschafft, beide Herren haben eine feste Anstellung in den Cafeterien des Uni-Klinikums. Seit 16 Jahren ist dort Rolf-Hermann Meinhardt Pächter, ein 2-Sterne Koch des „Chaîne de Gourmet“, der auch in Systemgastronomie ausbilden kann. Ein überzeugter Menschenfreund, der jedem eine Chance gib. Mit dem IFD arbeitet der 55jährige Großseelheimer schon seit langer Zeit erfolgreich zusammen. Von dort stießen auch seine beiden „Neuverpflichtungen“ zu den rund 25 Mitarbeitern. Der 54jährige Stadtallendorfer Harald Butz hatte vorher in einer Bäckerei gearbeitet. Nach deren Insolvenz konnte der IFD ihm eine neue Stelle in der freundlichen Cafeteria des Klinik Neubaus vermitteln, die ein deutlich italienisches Flair ausströmt*.

Ausgangsüberlegung beim Einsatz der Mitarbeiter, so das langjährige Mitglied des Verbands der Köche Deutschlands, sei die Frage: ‚Wo kann man den Koch entlasten?‘ ….. Dessert anrühren, Salat vorbereiten, aber auch Tische abräumen und Spülmaschinen bedienen beispielsweise.

„Ich habs hier richtig gut getroffen. Ich weiß, ich kann das. Und dort, wo ich was nicht kann, soll der Chef mir auf die Schulter klopfen“, sagt Küchenhilfe Harald Butz im Brustton der Überzeugung. Und außerdem könne er ja jederzeit bei Brigitte Knieß oder Jutta Alberti vom IFD anrufen.

„Menschen mit Behinderung wissen aus eigener Erfahrung, was Hilfe, was Freundlichkeit, was Aufmerksamkeit bedeutet. Sie leben diesen Service-Gedanken täglich gegenüber den Kunden und Kollegen“, umreißt Rolf-Hermann Meinhardt seine Beweggründe, gerne vom IFD betreute Menschen einzustellen. Außerdem habe jeder Mensch eine Chance verdient.

„Wenn Sie so möchten, tragen wir alle ein Wenig dazu bei, dass Besucher und Patienten sich hier ein Stück wohl fühlen. Und das hilft ja uns allen, Herr Butz bspw. hat eine Stelle, ich einen ‚knuffigen‘ Mitarbeiter und der IFD einen guten Vermittlungserfolg“, beschreibt der gebürtige Braunschweiger die win-win Situation. „Mir kann es nur gut gehen, wenn es den Menschen um mich herum gut geht!“ sei nicht nur die Lebensweisheit des verstorbenen, jüngeren Sohnes, sondern auch die seine. Deshalb habe er Koch-Clubs im Altenheim durchgeführt, um die Bewohner zu aktivieren und deshalb lade er auch den berühmten Punkrocker unter den TV- Sterneköchen, Stefan Marquard, in seine Cafeterien ein. „Ich möchte immer eine glückliche Familie um mich herum haben… auch bei der Arbeit. Und Familie, das sind auch meine Mitarbeiter.“ unterstreicht Meinhardt abschließend.

„Eigenverantwortung für die eigene Lebenssituation zu akzeptieren, das ist der Ausgangspunkt einer jeden Beratung des IFD. Das Leben mit den gegebenen Einschränkungen selbst in die Hand zu nehmen, ist nicht leicht“, beschreiben Knieß und Alberti. Beispiele wie die Klinik-Cafeteria ermutigen Menschen in gleicher Lage, das eigene Berufsleben aktiv zu gestalten. „Dabei helfen wir sehr gerne“, ermuntern sie die Leser dieser Zeilen.

Im Auftrag von LWV Hessen, Berufsgenossenschaft, Reha-Trägern u.a. betreut der IFD Menschen mit Behinderung und vermittelt sie in sozialversicherungspflichtige Arbeit. Entscheidungshilfen werden gegeben, Vermittlungsgespräche geführt, Einarbeitungszuschüsse angefragt oder Arbeitsplatzausstattung gefördert.

Info: www.ifd-marburg.de, Brigitte Knieß, Jutta Alberti 06421-68 51 312

Foto (Galerie): Jutta Alberti (von rechts) und Brigitte Knieß freuen sich mit Pächter Rolf-Hermann Meinhardt und Harald Butz über eine gelungene Integration ins Arbeitsleben

Foto (Text): “Familienmitglied” Harald Butz und Andreas Meinhardt

Fotos: Viktor Szymczak

*Versuchen Sie doch einmal Latte macchiato mit weißer Schokolade … ein Gedicht!

HINTERGRUND

Der Integrationsfachdienst IFD arbeitet im Auftrag Dritter wie Integrationsamt (ehemals: Hauptfürsorgestellen), Berufsgenossenschaft, Agentur für Arbeit, KreisJobCenter oder Rehabilitationsträger. Er hilft Menschen mit schweren Behinderungen dabei, am Arbeitsleben teilzunehmen, vermittelt behinderungsgerechte Arbeitsplätze und bietet psychosoziale Beratung.

Der IFD ist ein gemeinsames Dienstleistungsangebot von mehreren gesetzlichen Leistungsträgern und unterteilt sich in „Vermittlung IFD-V“ und „Begleitung IFD-B“, wobei dies eine fließende Grenze ist. IFD-V vermittelt behinderte Arbeitskräfte und berät Arbeitgeber bei der Auswahl. Über vorgeschaltete Praktika oder befristete Arbeitsverträge können sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber kennen lernen. Der IFD-B berät und betreut bspw. bei Leistungsschwierigkeiten, längeren Erkrankungen, Konflikten am Arbeitsplatz oder drohender Kündigung.

Integrationsämter und Arbeitsagenturen sind die Hauptauftraggeber und finanzieren diese aus Mitteln der Ausgleichsabgabe. Genauer gesagt: SGB IX §§ 102 und 109 ff. und Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabeverordnung SchwbAV, §§ 27 a und 28.

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