Fachkräftemangel ist ein Zukunftsthema

Fachkräftemangel ... werden wir Kriege führen, um an geeignete Fachkräfte zu kommen? (Foto: wjk)

Fachkräftemangel ... werden wir Kriege führen, um an geeignete Fachkräfte zu kommen? (Foto: wjk)

Sozialminister Stefan Grüttner: „Fachkräftesicherung ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, dem sich Hessische Landesregierung mit großem Engagement und Nachdruck stellt“. Bei zweitägiger Jahresveranstaltung zum Europäischen Sozialfonds diskutieren Experten aus den Bereichen Arbeitsmarkt, Wissenschaft und Wirtschaft

Frankfurt am Main. Zu einem gemeinsamen Vorgehen gegen den drohenden Fachkräftemangel hat der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner aufgerufen. „Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften bringt neue gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen hervor, denen nur gemeinsam begegnet werden kann. Hessen muss sich dieser Aufgabe stellen, denn nur so lassen sich der Wohlstand und der gesellschaftliche Zusammenhalt in unserem Land sichern“, sagte Grüttner anlässlich der Eröffnung der Jahrestagung zum Europäischen Sozialfonds (ESF), die heute und morgen in Frankfurt stattfindet.Der Sozialminister betonte, der Fachkräftemangel sei ein Zukunftsthema, dem sich die Hessische Landesregierung verantwortungsvoll stelle. „Hierbei handelt es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir mit einer Vielzahl an abgestimmten Maßnahmen entgegentreten“, sagte Grüttner. Als Beispiel nannte er die „Fachkräftekommission Hessen“, die von der Hessischen Landesregierung im Herbst 2011 ins Leben gerufen werden soll. Zunächst wird diese eine neutrale Bestandsaufnahme für das Land vornehmen, um so die in Hessen vorhandenen Potentiale aufzeigen zu können. Hieraus sollen dann konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt werden.

Sozialminister Grüttner betonte, das Thema sei auf Papieren angekommen, seine Bedeutung und Wichtigkeit drücke sich jedoch noch nicht im Handeln all derjenigen aus, die handeln müssten. „Fachkräftesicherung ist noch nicht hinlänglich in den Köpfen als Gegenwarts- und Zukunftsproblem angekommen.“ Die noch bestehende Arbeitslosigkeit behindere das Problembewusstsein für den Fachkräftemangel als ein vorrangiges Thema, sagte der Minister: „Es wirkt auf viele noch zukunftslastig und abstrakt. Hier müssen wir zunächst noch mehr Aufklärungsarbeit leisten: Dieses Problem hat eine ähnliche gesellschaftspolitische Tragweite wie die Herausforderungen in der Pflegeversicherung oder im Rentensystem und es ist auch mit ihnen verknüpft.“

Der Sozialminister sieht neben vielen Handlungsfeldern vor allem die Notwendigkeit, dass die Betriebe ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder stärker in den Mittelpunkt des betriebswirtschaftlichen Denkens rücken. „Der Beschäftigte ist nicht zuallererst betriebswirtschaftlicher Kostenfaktor, sondern Träger und Gewährleister des wirtschaftlichen Erfolgs eines Unternehmens“, betonte Grüttner.

Hessen werde in seinen Landesteilen mit unterschiedlichen Entwicklungen umzugehen haben. In den Landkreisen Werra-Meißner, Hersfeld-Rothenburg sowie in der Stadt Kassel sei bereits in den kommenden Jahren mit einem Rückgang der Erwerbspersonenzahl im zweistelligen Prozentbereich zu rechnen. Zugleich sei in den Landkreisen Wetterau, Fulda, Main-Taunus und Limburg-Weilburg sowie in den Städten Offenbach und Wiesbaden ein starker Bevölkerungszuwachs zu erwarten. „Bis 2050 werden etwa 67 Prozent der Erwerbspersonen in Hessen im Regierungsbezirk Darmstadt wohnhaft sein. Der Arbeitsmarkt in Hessen wird sich also stark und insbesondere regional wandeln. Diese Veränderung hat bereits begonnen und ist auch nicht umkehrbar“, erklärte Sozialminister Grüttner.

Das Hessische Sozialministerium veranstaltet einmal im Jahr eine Tagung zum ESF, die einerseits die Förderung des größten arbeitsmarktpolitischen Instrumentes der Europäischen Union in Hessen dokumentieren soll, andererseits aktuelle beschäftigungspolitische Themen aufgreift. Der ESF fördert mit rund 25 Millionen Euro pro Jahr über 450 arbeitsmarktpolitische Projekte der Hessischen Landesregierung.

Bei der diesjährigen Jahresveranstaltung befassen sich heute und morgen unter dem Titel „Arbeitslosigkeit gestern – Fachkräftemangel morgen?“ im Rahmen von Vorträgen und Diskussionen Experten aus den Bereichen Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Forschung – unter anderem Herbert Mai, Vorstandsmitglied der Fraport AG, Klaus Franz, Betriebsrat der Adam Opel AG sowie Dr. Hajo Manderscheid, Caritasdirektor des Bistums Limburg – sowie Politiker – neben Ministerpräsident Bouffier und Sozialminister Grüttner auch Lenia Samuel, stellvertretende Generaldirektorin für Beschäftigung, Soziales und Integration, EU Kommission, sowie Kulturministerin Dorothea Henzler – mit dem Thema Fachkräftesicherung.

Mehr Infos gibt es im Internet unter www.esf-hessen.de.

Kommentieren

Politik
  • Stadt Hungen will Bürger in den Leitbild-Prozess einbinden.
    20. Januar 2012 | 20:31

    Wie bereits in der Presse berichtet, werden im ersten Halbjahr mit einzelnen Kommunen mehrere Pilotprojekte zur Online-Bürgerbeteiligung im Landkreis Gießen stattfinden. Auch die Stadt Hungen nimmt  mit dem „Arbeitskreis Leitbild“ des Stadtmarketing Hungen e.V. an einem dieser Projekte teil. Kürzlich hat sich die Firma eOpinio GmbH, ein junges innovative Meinungsforschungs-Unternehmen aus Gießen mit Spezialisierung auf dem [...]

    Lies den ganzen Artikel »

  • Gemeindefinanzen – quo vadis?
    27. Oktober 2011 | 19:01

    Kommunaler Finanzausgleich kontra pauschale Pro-Kopf-Finanzierung Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) schlägt in seinem aktuellen Wochenbericht vor, die vom Bund geplante Gemeindefinanzreform durch eine pauschale Pro-Kopf-Finanzierung der Städte und Gemeinden zu ergänzen. Die DIW-Finanzexperten Martin Simmler und Florian Walch haben in ihrer Studie die finanziellen Folgen einer Gemeindefinanzreform für die Gemeinden berechnet. Sie kommen zu [...]

    Lies den ganzen Artikel »

  • Grüne verwundert über CDU-Aussagen zur Schulstruktur
    21. September 2011 | 11:19

    Mit großer Verwunderung haben die Grünen im Römer auf die Aussagen des Arbeitskreises Bildung der CDU-Fraktion Frankfurt zu angeblichen rot-grünen Plänen auf Landesebene zur Abschaffung der Gymnasien reagiert. “Die Äußerungen der CDU lassen darauf schließen, dass sich die Frankfurter CDU bisher nur zu ungenügendem Maße mit den bildungspolitischen Vorstellungen der hessischen Grünen beschäftigt hat. Die [...]

    Lies den ganzen Artikel »

  • Nein, Frau von der Leyen, eine Zuschussrente ist nutzlos
    8. September 2011 | 22:53

    Altersarmut: Regierungsvorschläge völlig unzureichend Nach dem Auftaktgespräch des Regierungsdialogs zur Rente sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach am Donnerstag in Berlin: „Die Vorschläge der Bundesregierung sind billige Scheinlösungen, die uns im Kampf gegen die drohende Altersarmut keinen Deut weiter bringen. Wir fordern Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen auf, sich von Vorfestlegungen und ideologischen Fesseln zu befreien und zum Rentengipfel [...]

    Lies den ganzen Artikel »

  • RSSArchiv von Politik »
Gesellschaft
  • Die Mädchen von heute sind die Frauen von morgen.
    23. Januar 2012 | 16:03

    Land Hessen will Mädchenarbeit ausbauen. Wiesbaden (23. Januar 2012) - Die Landesregierung will die Mädchenarbeit weiter ausbauen. 2012 wird es zum ersten Mal einen Internationalen Mädchentag geben. „Die Weichen für Gleichberechtigung in Familie, Beruf und Gesellschaft muss man so früh wie möglich stellen. Die Mädchen von heute sind die Frauen von morgen. Eine engagierte Mädchenarbeit kann [...]

    Lies den ganzen Artikel »

  • Die Kunst, Mensch zu sein
    2. September 2011 | 22:30

    Meditation Trance Buddhismus Sufis Wer kennt das nicht, dass ein längerer Spaziergang den Kopf frei macht und Gedanken und Geist äußerst produktiv werden. Goethe hat es so gemacht …. und jeder andere Mensch könnte es auch. Meist fehlt die Muße, der Raum in unserer hektischen Welt, um das umzusetzen. Mit der nötigen, leicht erlernbaren Technik, ist [...]

    Lies den ganzen Artikel »

  • Junge Menschen haben unterschiedliche Motive und Erwartungen
    18. August 2011 | 10:10

    Freiwilliges Engagement von Jugendlichen Ob und wofür sich Jugendliche freiwillig engagieren, hängt stark von Bildung, Herkunft und Geschlecht ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Sonderauswertung des Dritten Freiwilligensurveys des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Jugendforscherin Sibylle Picot, die speziell das Engagement Jugendlicher untersuchte, stellt dabei u. a. fest, dass sich Jugendliche mit höherer Bildung [...]

    Lies den ganzen Artikel »

  • RSSArchiv von Gesellschaft »
--- ANZEIGE ---
HZW-Zertifikatslehrgang
Frauenfussball
Wir suchen Dich!
  • Korea-Express zum Spartarif
    3,8 Liter Hubraum, V6-Motor, Heckantrieb: Sportwagenenthusiasten brauchen jetzt eigentlich gar nicht mehr weiterzulesen. Denn bei diesen Eckdaten werden Vertreter der hurtigen Zunft ohnehin schwach. Seit 2010 wildert ausgerechnet ein Koreaner in dem Revier, das doch eigentlich Hoheitsgebiet von Porsche oder BMW ist. Schon vor der ersten Begegnung ist klar: […]
  • Der Herausforderer greift an
    «Wegen des Opel Corsa sind schon Gewerkschaftskämpfe entbrannt», sagte einst der 2006 verstorbene Politologe Professor Christian Fenner. Der Rüsselsheimer Zwerg ist das Sinnbild für einen Zweitwagen, das Symbol für den Wohlstand des kleinen Mannes. Doch die gemütlichen Zeiten, da Platzhirsche wie er oder der VW Polo den Markt lässig dominieren konnte […]
  • Aktiv genießen im Engadin
    In Chur beginnt die Reise ins gelobte Land. Entdecker, die keinen Learjet oder einen Aston Martin besitzen, müssen sich den Weg durch dichte Wälder und enge Berge bahnen. Obwohl St. Moritz von Chur nur 45 Kilometer Luftlinie entfernt ist, dauert die Fahrt mit der Rhätischen Bahn über zwei Stunden. Doch jede Minute davon ist Genuss. Immer höher schläng […]
  • Aktiv, smart, kompakt - aber auch gut?
    ARD, SPD, DDR. Das Abkürzungs-Wirrwarr amüsierte schon 1999 die Fantastischen Vier in ihrem Hit Mfg - Mit freundlichen Grüßen. Seit 2010 ist auch noch ASX dazugekommen. Active Smart Crossover nennt Mitsubishi sein Kompakt-SUV. Ein Mix von Attributen, der auf den ersten Blick eher ratlos macht. Kann ein Auto denn auch passiv statt aktiv sein? Ab wann ist […]
Für Kultur-Liebhaber
Neues Museum im Aufbau
Prinzessin Monika v. Hannover Stiftung
  • Der § 1592 BGB aus der Sicht eines Scheinvaters
    Nach meinem Rechtsverständnis verstoßen der § 1592 Nr.1 BGB und wortbrüchig gewordene Ehefrauen gegen die garantierten Grundrechte! § 1592 Nr. 1 BGB: „Vater eines Kindes ist der Mann, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist.“ … Weiterlesen →
-- ANZEIGE --
Stockfotografie und mehr
Das Interview
Prof. Dr. Wolfgang George (Foto: wjk) Prof. Dr. Wolfgang George: 30 Mrd € Investition durch Energie-Genossenschaften möglich

Die neuen regenerativen Energien müssen finanziert werden. Dabei sind sich alle Experten einig, dass diese Investitionen zu Produktionsstätten in der Fläche — auf dem Lande — führen werden. Wer anderes als die dort lebenden Menschen sollten die Investoren sein?[weiter ...]
 Linktausch - Anmeldung Gratis
So werden wir bewertet!