Burnout-Beraterinnen für Wohlfahrt-Vereine

Zukunftsbranche Sozialwirtschaft braucht Rückenwind

Die Sozialwirtschaft ist eine Zukunftsbranche, die durch die alternde Bevölkerung vor zwei Herausforderungen steht: steigende Nachfrage nach sozialen Diensten bei einer sinkender Zahl an Arbeitskräften. Bundesregierung und Wohlfahrtspflege beabsichtigen durch das 60 Mio. € Programm „Rückenwind- - Für die Beschäftigten in der Sozialwirtschaft“, dass die Beschäftigten länger im Beruf verbleiben. Das eben gestartete Marburger Teilprojekt möchte gesundheitserhaltende und leistungsfördernde Strukturen in Mitgliedsorganisationen des Wohlfahrtsverbandes „ Der Paritätische Hessen“ schaffen.
„Wir analysieren die besonderen Beziehungen zwischen Arbeit in sozialwirtschaftlichen Organisationen und dem Auftreten von Erkrankungen. Die besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Frauen. Psychophysische Symptome wie ‚Ausgebrannt sein ( Burnout)‘ werden noch viel zu wenig geschlechtsspezifisch betrachtet. Burnout darf nicht als individuelles Versagen aufgefasst werden, sondern entsteht aus strukturellen Arbeitsbedingungen in der Sozialwirtschaft“, gibt sich Projektleiterin Kordula Weber vom Marburger Bildungsträger Arbeit und Bildung fest überzeugt.

Team Rückenwind 2: Projektleiterin Kordula Weber (v. li.), Caro Schenk, Veronika Damjanovic

Team Rückenwind 2: Projektleiterin Kordula Weber (v. li.), Caro Schenk, Veronika Damjanovic

„Pathogenetische, also krankheitsfördernde Arbeitsbedingungen, wollen wir in Mittel- und Südhessen bei rund 100 Mitgliedern des Paritätischen erst einmal zusammentragen. Danach können salutogenetische, also gesundheitsfördernde, Ideen den Unternehmen individuell empfohlen werden“, skizzieren Weber und Team-Kolleginnen Caro Schenk und Veronika Damjanovic das ambitiöse Unterfangen weiter.
Wie Frauen mit Symptomen des sogenannten „Burnout“, den Auswirkungen einer beruflichen Überlastungsspirale, umgehen, sei leider wenig untersucht worden. Ähnlich wie die Auswirkungen von Medikamenten bei Mann-Frau unterschiedlich sind, sei dies auch bei psychophysischen Symptomen wie Burnout. Frauen benötigen bekanntlich viel weniger Aspirin als Männer, da ihr Körper das Schmerzmittel langsamer abbaut. Und die Anzeichen eines Herzinfarktes sind deutlich anders.
Der Verein kooperiert eng mit Arbeits- und Organisationspsychologen der Philipps-Universität bei Fragen wie: Welche Beziehungen bestehen zwischen Arbeit in sozialwirtschaftlichen Organisationen und Auftreten von Erkrankungen? Gibt es beim Gefühl von Überforderung am Arbeitsplatz vielleicht geschlechtsspezifische Ursachen und Umgangsweisen?

Interview-Ergebnisse der Psychologen dienen dazu, eine berufsbegleitende Weiterbildung zur „Burnout-Organisationsberaterin, BOB“ zu entwickeln, die dann ein Jahr lang durch ausgebildete Pädagogen des Marburger Vereins durchgeführt würden. Die Beraterinnen gehen in die Organisationen und entwickeln konkrete Angebote, um die jeweiligen Arbeitsstrukturen auf den Erhalt von Gesundheit auszurichten.
Die Ergebnisse werden veröffentlicht und in einer Fachtagung der Öffentlichkeit präsentiert. „Teilnehmende Betriebe erhalten eine kostenlose Unternehmensberatung, wie sie die Leistungsfähigkeit und -freude ihrer Belegschaft stärken können“, umwirbt abschließend Kordula Weber die Unternehmen in Hessen.
logo_rueckenwind_dtpNähere Informationen erhalten Interessierte bei : Kordula Weber, 06421-6900172, weber@arbeit-und-bildung.de. Demnächst auch unter http://bob-marburg.de
Foto: Viktor R. Szymczak
BU: Team Rückenwind 1: Projektleiterin Kordula Weber (v. re.), Caro Schenk, Veronika Damjanovic
BU 2: Team Rückenwind 2: Projektleiterin Kordula Weber (v. li.), Caro Schenk, Veronika Damjanovic

Hintergrund:
Burnout ….ist eine körperliche, emotionale und geistige Erschöpfung aufgrund beruflicher Überlastung, wird meist durch nicht bewältigbaren Stress ausgelöst und reduziert u.a. die eigene Leistungskraft. Helfende und soziale Berufe sind besonders stark betroffen. (Modifizierte Quelle: wikipedia)
Geschlechtsspezifische Reaktionen: Zahlreiche Untersuchungen belegen mittlerweile, dass es bei Bioverfügbarkeit von Substanzen, deren Verteilung im Organismus und Ausscheidung gewaltige Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Durch den höheren Körperfettanteil bspw. werden fettlösliche Medikamente bei Frauen leichter abgespeichert. Oder das Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (ASS): Frauen benötigen viel weniger Aspirin als Männer, da ihr Körper das Schmerzmittel langsamer abbaut.

Getragen von Bundessozialministerium und Europäischen Sozialfonds, möchte das Programm den sozialwirtschaftlichen Sektor zukunftsfähig machen, indem der notwendige Strukturwandel in der Personal- und Arbeitsplatzentwicklung flankiert wird. Mehr und bessere Arbeitsplätze sollen entstehen, ältere Fachkräfte gestärkt und die besonderen Belastungen von Frauen aufgehoben werden. Traditionell sind überwiegend Frauen in den über 100. 000 Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege tätig, meistens in Teilzeit.
Die Förderdauer der Projekte beträgt maximal drei Jahre. Allgemeine Information unter www.bmas.de/portal/41634/2010__01__21__r_C3_BCckenwind.html

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