Einstiegslotsen und Bildungsketten?
Mittelhessischer Bildungsverband e.V. bemängelt Berufsbildungsbericht
Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt verkündete letzte Woche Bildungsministerin Schavan bei der Vorstellung des jährlichen Berufsbildungsberichtes 2010. Im Jahr zuvor hatte Schavan bereits eine Trendwende zugunsten jugendlicher Arbeitsuchender festgestellt. „Schönfärberei“ nennt Rainer Dolle, Leiter von Arbeit und Bildung e.V. diese Beurteilung der Berufsbildung Deutschlands.
„50 000 Ausbildungsplätze wurden im Unterschied zum Vorjahr abgebaut, das sind immerhin 8 % weniger. Für 2010 wird ein weiterer Rückgang um 20 000 Ausbildungsplätze erwartet. Dabei sind noch nicht mitgerechnet mehrere hunderttausend Jugendliche, die in Berufsvorbereitung, öffentlich finanzierter überbetrieblicher Ausbildung und anderen Förderlehrgänge der Arbeitsverwaltung plaziert sind“, so Dolle, der sich auch als Vorstand des Mittelhessischen Bildungsverbandes (MBV) äußerte.
Die Situation sei nur deswegen nicht dramatisch geworden, weil gleichzeitig etwa 50 000 Jugendliche weniger die Schule verlassen haben. Dolle: „Das ist aber keine Leistung des Bildungssystems oder des Ausbildungsmarktes selbst, sondern nur dem Geburtenrückgang geschuldet“.
Immerhin erkenne der Berufsbildungsbericht Handlungsbedarf: bei den Jugendlichen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, 38 % unter 30 Jahren ohne Berufsabschluss und bei den sog. Altbewerbern, 52 % aller ausbildungsplatzsuchenden Jugendlichen waren vor 1 Jahr auch schon auf der Suche.
Um den Altbewerbern und jungen Ausländern/-innen zu helfen will Schavan nun neue 3 200 Berufseinstiegsbegleiter/innen schaffen, die sich u.a. um diese 60 000 Hauptschüler kümmern sollen. “Dies wird aber sicher keine Wunderwaffe werden. Diese Einstiegslotsen gibt es ja schon. Sie sind im Rahmen des unüberschaubaren Maßnahmedschungels eine von vielen sinnvollen Hilfestellungen für diese Jugendlichen. Aber ohne Erhalt der 500 000 überbetrieblichen Ausbildungsplätze und ähnlicher Förderungen noch während der Schulzeit, wird der Lotse nicht viel ausrichten“. Viel besser sei es, in einem sinnvollen regionalen Übergangsmanagement Schwerpunkte bei der Förderung zu setzen und genau zu schauen, wo etwas fehlt.
„Das will z.B. jetzt der Oberbürgermeister für die Stadt Marburg in einem kommunalen Ausbildungspakt sicherstellen – sehr gut!“ Leider werde aber auch vieles durch die unsinnige Ausschreibungspolitik der Bundesagenturen für Arbeit verhindert. Auch hier in Mittelhessen würden wieder über Ausschreibungen des regionalen Einkaufszentrums in Frankfurt Ausbildungsprogramme vor allem über den Preis auf den Markt gebracht und hier würden regionale bewährte Träger oft benachteiligt, weil sie die Billiglöhne ihrer Konkurrenten nicht zahlen könnten oder wollten.
„Es steht zu befürchten, dass die angekündigten neuen Berufseinstiegsbegleiter auch wieder als Billiglöhner über Ausschreibung vergeben werden. Die damalige Bundesanstalt scheint unbelehrbar insbesondere seit große amerikanische Unternehmensberater/-firmen Märkte, Preise, Angebote und Nachfrage bei Arbeitsämtern entdeckt haben – das kommt dann dabei heraus“. Obwohl sich vor Ort Arbeitsmarktakteure, die Schulen, die Beschäftigungs- und –Bildungsträger, die Jugendhilfeträger, die Wohlfahrtsverbände Jahr für Jahr gegen diese Wettbewerbsvergabe gewendet hätten – es werde wohl wieder nichts nutzen.


















Wilfried J. Klein, der Herausgeber von Mittelhessen Digital, ist freier Journalist und hat sich auf die Neuen Medien (Internet) spezialisiert. Sein Haupt-Augenmerk liegt auf der Online-Pressearbeit und der Online-Redaktion. Internet- Anwendungen runden sein Portfolio ab.
