Man muss ein Ziel vor Augen haben
Deniz Dikme holt sich Unterstützung bei Ausbildungsexperten. Ausbildungsbegleitende Hilfen sichern Ausbildungserfolg des jungen Wetzlarers
Deniz Dikme hat in diesem Jahr im zweiten Anlauf seine Abschlussprüfung als Fachkraft für Systemgastronomie bestanden und schwärmt von seinen Beruf. Obwohl der freundliche 22jährige Wetzlarer augenscheinlich alles mitbringt, was einen guten Dienstleister ausmacht, stand seine berufliche Zukunft zweimal auf Messers Schneide.
Nach dem Hauptschulabschluss fand Deniz eine Lehrstelle beim Wetzlarer Schnellrestaurant “Knolli”. Kurz vor Ende der Lehre im letzten Sommer merkte er, dass die schulischen Leistungen nachließen und sein Abschluss gefährdet war. “Vorher hatte ich alles auf die leichte Schulter genommen und gedacht, ich schaffe das auch so”, erinnert sich Deniz heute. Um sein Ausbildungsziel noch zu erreichen, nahm er ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) der Wetzlarer Arbeitsagentur in Anspruch. Allerdings reichte die Zeit bis zur Prüfung nicht mehr aus, um die Defizite zu beseitigen. Deniz fiel im ersten Anlauf durch.
In der Winterprüfung sollte alles anders werden. “Meine Fachbücher wurden meine besten Freunde. Jede Minute habe ich genutzt, um zu lernen”, sagt der gebürtige Wetzlarer. Er sei viel in den Lahnwiesen spazieren gewesen und habe sich dort den Lehrstoff selbst laut vorgesagt. Martina Weyel, abH-Leiterin des Wetzlarer Bildungsträgers “Sprache und Bildung”, attestiert ihrem ehemaligen Schützling ein außergewöhnlich hohes Engagement. Dies sei auch wichtig, um die zusätzliche Belastung zu schultern. Deniz wurde intensiv auf die Nachprüfung vorbereitet. Obwohl die schriftliche Prüfung wieder nicht sonderlich gut ausgefallen war, glänzte Deniz mit einer “Zwei plus” im mündlichen Prüfungsteil. “Man muss ein Ziel vor Augen haben und alles tun, um es zu erreichen”, betont Deniz, der inzwischen als stellvertretender Filialleiter in der Knolli-Niederlassung Frankfurt arbeitet.
“Mehr als zwanzig Prozent aller Auszubildenden brechen in Deutschland vorzeitig ihre Lehre ab”, sagt Ralf Fischer, Sprecher der Wetzlarer Arbeitsagentur. Viele von ihnen würden die hohen fachlichen Anforderungen für ihr Handeln verantwortlich machen. Wegen des drohenden Fachkräftemangels könne die Wirtschaft aber auf kein Talent verzichten. Deniz habe die richtige Entscheidung getroffen, als er sich für die “abH” entschied. “Er ist eine ausgezeichnete Fachkraft. Weil Deniz offen mit seinen Lücken in der Fachtheorie umgegangen ist, konnten wir ihm mit dem ergänzenden Unterricht helfen”, so Fischer weiter.
Das abH-Team um Martina Weyel beseitige nicht nur Defizite in der Fachtheorie sondern helfe auch, Lernhemmungen, Prüfungsängste und Schwierigkeiten im sozialen Umfeld der Auszubildenden zu überwinden. Den Lehrstoff vermitteln Meister und Ingenieure aus der Region außerhalb der Ausbildungszeit. Die Unterweiser müssen eine langjährige Praxis in der betrieblichen Ausbildung nachweisen. Weil der Unterricht in Kleingruppen oder auch im Einzelunterricht erfolge, könne man sich auf individuelle Problemlagen und Lerngewohnheiten einstellen. Das Beispiel von Deniz zeige, dass es auch nach einer nichtbestandenen Prüfung Sinn mache, die Hilfen in Anspruch zu nehmen.
An den Standorten Wetzlar, Dillenburg und Biedenkopf stehen 141 abH-Plätze zur Verfügung, heißt es bei der Arbeitsagentur Wetzlar, die auch die Kosten trägt. Interessierte Auszubildende können sich unter der Rufnummer 01801 555 111* bei der Agentur für Arbeit melden (Festnetzpreis 3,9 ct/min; Mobilfunkpreise höchstens 42 ct/min).
Bild (Galerie) Deniz Dikme hat mit ausbildungsbegleitenden Hilfen die Abschlussprüfung gemeistert - Bildquelle: Agentur für Arbeit Wetzlar
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